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Der hl. Paulus – Teil 2

„Was hat der hl. Paulus den vielen Menschen unterschiedlichster Weltanschauung überhaupt mitgeteilt?“, wird der Leser an dieser Stelle endlich wissen wollen. Eigentlich könnte ich ihn schlichtweg auf die Briefe des Paulus und die Apostelgeschichte im Neuen Testament verweisen und mir die folgenden Zeilen sparen – zumal die Paulinischen Reden und dessen Theologie den Rahmen dieser Zeitschrift schlichtweg sprengen würden. Glücklicherweise haben jedoch bereits Versuche stattgefunden, das wichtigste Anliegen des hl. Paulus auf den Punkt zu bringen.

Der Exeget William Barclay beispielsweise ist der Meinung, dass wir die Religionsauffassung des Paulus schon durch den Völkerapostel selbst kurz und bündig zusammengefasst vorfinden, und zwar in seiner Lieblingsformulierung: „In Christus“. Diese Formulierung kommt allein in 13 Briefen stattliche 90 Mal vor.

Was aber bedeutet diese Kurzformel? Paulus macht die Empfänger seiner Briefe immer wieder darauf aufmerksam: Christus ist nicht nur Sühnopfer für unsere Sünden, sondern jeder Getaufte steht zudem in mystischer Vereinigung mit seinem Heiland. Das heißt, zwischen Gott und dem einzelnen Christen besteht nicht nur ein Nutznießerverhältnis zugunsten des Menschen, sondern der Christ soll – genauso wie Gott ihm gegenüber – in einer liebenden Beziehung zu Jesus stehen. Ja, mehr noch, er soll ganz in Christus aufgehen, sich ganz Christus hingeben. In diesem Sinne weist Paulus die Christen darauf hin, ihr altes, sündiges Selbst zu kreuzigen. Vor diesem Hintergrund erst bekommt die Aussage, Jesu Tod und Auferstehung veränderten unser Leben, eine tiefere Dimension und ihren eigentlichen Sinn. Mit anderen Worten: Paulus nimmt auf das Jesuswort Bezug: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich.“

Paulus erklärt das Möglichwerden der mystischen Vereinigung des Menschen mit Christus einerseits dadurch, dass der Sohn Gottes menschliches Fleisch angenommen hat und einer von uns geworden ist: So wie Adam Ahnherr der Erbsünde über die Menschheitsfamilie ist, so ist der menschgewordene Gott Ahnherr des ewigen Lebens und des Heils. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass in Bezug auf Adam ausnahmslos jeder Mensch – die Muttergottes ausgenommen – in Erbschuld geboren wird, also ohne sich selbst dafür oder dagegen entscheiden zu können. Um aber an Christus teilhaben zu können, muss sich der Mensch bewusst für Ihn entscheiden.

Andererseits wird der Mensch eins mit Christus durch das Empfangen des Heiligen Geistes. Dieser bewirkt, dass sich der Gläubige allmählich in das Abbild Jesu verwandelt und Ihm ähnlich wird.

 

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