Grußwort von Pater Firmin Udressy im DGW 4/2011

Liebe KJBler!

„Wir glauben an die Liebe Gottes!“ Während dieses Jahres haben wir uns bemüht, auf den Spuren von Erzbischof Lefebvre die Liebe Gottes besser kennenzulernen. Ich hatte Euch das Buch „Das Geheimnis unseres Herrn Jesus Christus“ empfohlen. Wie der hl. Grignion de Montfort schreibt: „Jesus Christus, die ewige Weisheit, ist alles, was ihr ersehnen könnt und sollt, begehrt ihn, sucht ihn, weil er diese einzigartige und kostbare Perle ist; es darf euch kein Problem darstellen, all das zu verkaufen, was ihr habt, um sie zu erwerben. […] Jesus Christus, die menschgewordene Weisheit zu kennen, heißt genügend wissen. Alles zu wissen und ihn nicht zu kennen, heißt nichts zu wissen“ (aus: „Die Liebe zur ewigen Weisheit“, zitiert in „Geheimnis unseres Herrn Jesus Christus“ von Erzbischof Lefebvre, S. 45–46).

Einen Punkt möchte ich Eurer Betrachtung besonders empfehlen: die Seele unseres Herrn Jesus Christus. Die Seele Christi ist wenig bekannt. Viele eifrige Katholiken denken nicht daran, dass Jesus eine menschliche Seele hat.
Es ist ein Dogma, dass Jesus eine menschliche Seele hat: Et homo factus est – „Er ist Mensch geworden.“ Wenn Gott nur einen menschlichen Leib angenommen hätte, wäre er nicht wirklich Mensch geworden. Denn der Mensch besteht aus Leib und Seele. Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch und hat als Mensch sowohl einen Leib als auch eine menschliche Seele wie die unsere, d. h. begabt mit einem menschlichen Verstand und Willen.

Die Heilige Schrift berichtet uns von der Seele Christi: Im Ölgarten sagte Jesus: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod“ (Mt 26,38). Die verschiedenen Reaktionen Jesu, wie Trauer, Zorn, Dankgebet, Verwunderung, Angst vor dem Leiden, setzen eine geistige Seele voraus.

Diese Seele war natürlich erfüllt mit außerordentlichen Privilegien. Aufgrund der hypostatischen Union (d. h. der Vereinigung von Gottheit und Menschheit in einer Person) hatte die Seele Christi die heiligmachende Gnade im Übermaß, sodass sie für alle Menschen zur Quelle der Gnade werden konnte; die Seele Christi hat alles empfangen, um es uns zu geben: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade“ (Joh 1,16).

Seit dem ersten Augenblick ihrer Existenz besaß die Seele Christi die Anschauung Gottes. So wäre die Verklärung der normale Zustand Christi gewesen, wenn er seine Herrlichkeit nicht vor uns verborgen gehalten hätte. Die Seele Christi wusste also alles. Der Heiland wusste schon in der Krippe alles, was er leiden würde. Er kannte uns schon und hatte bereits sein ganzes Leben für uns seinem Vater aufgeopfert.

Die Seele Christi war infolgedessen voller Gegensätze: Sie vereinigte in sich das Erschaffene und das Unerschaffene, das Ewige und das Zeitliche, das Unendliche und das Begrenzte, die Allmacht und die Schwachheit, die Weisheit Gottes und die menschliche Erfahrung, die vollkommene Freude und das schlimmste Leiden, den absoluten Frieden und die tiefste Traurigkeit …

Die Seele Christi war erfüllt mit Liebe zu uns. Durch sie hat Jesus für uns alles verdient, „von dem ein einziger Bluttropfen genügt hätte, um die ganze Welt zu retten“ (hl. Thomas von Aquin: Hymnus „Adoro te devote“).

So sollen wir oft die Seele Christi betrachten, um sie anzubeten, sie zu lieben und sie nachzuahmen. Besonders die Kommunion soll uns mit der Seele Christi vereinigen, sodass wir immer mehr die Psychologie Christi „annehmen“ und mit dem hl. Paulus sagen können „Ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal 2,20)

Mit meinem priesterlichen Segensgruß

Pater Firmin Udressy

By dergeradeweg Veröffentlicht in Editorial

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