von Volker Schultze, Seminarist Zaitzkofen
Warum um alles in der Welt auf die Philippinen?
Kurz vor meinem Seminareintritt wollte ich noch einmal etwas ganz Großes unternehmen. Zu dieser Zeit hielt der Distriktobere von Asien, Pater Daniel Couture, in unserem Priorat einen Vortrag über das Wirken der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Asien. Dieses Wirken besteht weitestgehend in Missionsarbeit. Eigentlich kann man sagen, dass Asien gleich Mission sei. Anschließend fragte ich ihn, ob ich dort auch mal hinkönnte. Wo könnte man mich gebrauchen? Die Antwort war: in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Dort gibt es ein medizinisches Hilfsprogramm, das sich Rosa Mystica nennt. Dieses wird von gläubigen Laien der Priesterbruderschaft organisiert, von Ärzten und Krankenschwestern. Verantwortlicher Leiter ist der französische Arzt Jean-Pierre Dickès. Nach einer anschließenden Korrespondenz mit Pater Couture per E-Mail zur Klärung noch verbliebener Fragen, entschloss ich mich dann zur Teilnahme an diesem Programm, buchte den Flug und flog am 23. Juli 2010 Richtung Manila. Nach ca. 19 Stunden Flug und einer Übernachtung in Katar (in der Nähe Saudi-Arabiens) landete ich am Sonntagmorgen in Manila. Während ein paar weiterer Stunden Wartens schloss ich Bekanntschaft mit einem philippinischen Jugendchor, der mit mir geflogen war, schließlich wurde ich dann von der Sekretärin von Rosa Mystica abgeholt. Und nun begann das Abenteuer …
Ich wurde sofort raus aus Manila ins nördliche Bergland gefahren, in das kleine Dorf Sampaloc. Es war bereits dunkel. Meine Unterkunft war ein kleines Zimmer in einem Haus, in dem die Priester und Seminaristen schlafen. Aber ich war doch noch gar kein Seminarist! „Macht nichts!“, antwortete man mir. „Du willst es doch werden, oder?“ In Sampaloc teilt man sich das Zimmer in der Regel mit Hunderten oder auch Tausenden anderer Bewohner, und zwar mit der herrlichsten Fülle aller Arten tropischer Insekten, von winzigen Ameisen angefangen bis zu handtellergroßen Kakerlaken. Nun ja, es war jedenfalls nicht langweilig. Nach ein paar Tagen bekam ich dann einen menschlichen Mitbewohner ins Zimmer zugewiesen, einen jungen Mann aus Südkorea. Gleich am ersten Tag wurde ich in meine Aufgaben in der Mission eingeführt: Da ich keine medizinische Ausbildung hatte, bekam ich einen relativ leichten Job: Ich wurde der Aufseher für das Eingangsareal des Missionsgeländes. Als so einfach erwies sich diese Aufgabe aber dann doch nicht, denn es musste der Eingang kontrolliert, die Warteplätze organisiert und der Fluss der Patienten zu den Ärzten koordiniert werden. Ich bekam ein kleines Team von Leuten zugeteilt, mit denen gemeinsam diese Aufgabe zu meistern war. Zur Herausforderung wurde sie, wenn einer der für die Philippinen in dieser Jahreszeit typischen Regengüsse einsetzte. Dann hieß es, schnell die Patienten umzusetzen und Regenplanen aufzuspannen. Wir müssen täglich mehrere Hundert Patienten gehabt haben, und zwar kranke Kinder, Zahnkranke, Augenkranke und „gewöhnliche Kranke“ (also Fälle für den Allgemeinmediziner) sowie einige Notfälle. Die Ärzte (Franzosen, Amerikaner, Koreaner und Philippinen) waren jeden Abend total fertig. Der Arbeitstag dauerte von 8 Uhr morgens (nach der hl. Messe) bis ca. 7 Uhr abends. Danach war gemeinsames Abendessen mit Besprechung und gemütlichem Ausklang im Kreis der „Missionare“. Das medizinische Hilfsprogramm dauert jeweils zehn Tage. An mehreren Tagen war der Pater Couture selber tatkräftig dabei. Neben dem medizinischen Programm nutzten die Schwestern der Bruderschaft und einige Priester die Wartezeiten der Patienten, um ihnen Katechese zu erteilen oder das Skapulier aufzulegen. Interessant war zu bemerken, wie sich die kleine Kapelle jeden Morgen zur hl. Messe immer mehr füllte. An den letzten Tagen mussten die Einwohner vor der Kapelle stehen, weil drinnen alle Plätze bereits belegt waren. Man merkte deutlich, wie diese Mischung aus medizinischer Hilfe und Apostolat Frucht brachte und die Menschen zum Glauben führte.
An einem der Tage fuhr eine kleine Gruppe von uns zu einem „Einsatz“ ins tiefere Bergland zu einem Eingeborenenstamm namens Etas. Dieser wurde vor ca. 20 Jahren von einer einzigen Ordensfrau missioniert. Diese Eingeborenen waren vorher alle heidnisch. Dank der Arbeit von Schwester Eva aber sind mittlerweile 80 Prozent der Stammesbewohner getaufte Katholiken. Obwohl die Schwester zur Amtskirche gehört, hat sie ein gutes Verhältnis zu unseren Missionaren. Sie fahren regelmäßig dorthin und zelebrieren dort die hl. Messe für sie und die Einheimischen, vor allem für die Kinder, die in der Nähe eine kleine von Schwester Eva gegründete Schule besuchen.
Nach diesen zehn Tagen durfte ich den Rest meines Philippinen-Aufenthaltes im Priorat in Manila verbringen. Das war dann mehr Erholung. Mir wurde diese riesige Stadt ein wenig gezeigt (20 Millionen Einwohner allein in der Innenstadt) und ich hatte Zeit, Freunde zu finden. Während einer Woche reiste ich noch mit einigen Bekannten auf die benachbarte Insel Bohol zum Vorseminar, das die Bruderschaft dort unterhält. Auch hier durfte ich interessante Menschen kennenlernen. Die Schwestern der Bruderschaft, die auf dieser Insel ihr Haus haben, zeigten mir an einem Tag die Hauptstadt der Insel, in der es auch eine wundertätige Muttergottesstatue gibt. Während ich dort war, organisierte die Bruderschaft eine größere Wallfahrt zu einer etwa 20 Meter hohen Muttergottesstatue mit integrierter Kapelle, wo der Regens des Vorseminars, ein Südafrikaner, ein Hochamt zelebrierte.
So war mein Aufenthalt auf den Philippinen eine Mischung aus Mission und Urlaubsreise, während aber auch Letztere sehr lehrreich war. Die Laien der Bruderschaft sind dort unglaublich aktiv und eifrig im Apostolat. Es gibt mehrere nationale katholische Jugendorganisationen. Für die erwachsenen Männer gibt es die Ritter Unserer Lieben Frau, die für das soziale Christkönigtum kämpfen. Der Glaube auf den Philippinen ist sehr lebendig. Die einflussreichste Gruppe ist wohl die Legio Mariae, die es mittlerweile im Rahmen der Tradition schon auf mehreren Kontinenten gibt (leider noch nicht in Europa). Durch ihre intensive missionarische Tätigkeit hat die Legio Mariae auf den Philippinen bereits mehrere Gemeinden gegründet. Es ist der ausdrückliche Wunsch Bischof Fellays, dass dieses Werk auf der ganzen Erde verbreitet werde.
Abschließend kann ich nur noch jedem anraten, dem Zeit und Kraft zur Verfügung stehen, auch einmal in die Mission zu gehen. Es ist eine Erfahrung, die für das Leben prägt. Jesus hält so viel für uns bereit, wir müssen es nur annehmen.