Von Inge Thürkauf
Planned Parenthood – Pro Familia – Margaret Sanger.
Nicht nur Huxleys “evolutiver Humanismus” war in London Bestandteil der Diskussion um den neuen Menschen, sondern auch seine eugenische Philosophie des wissenschaftlichen Rassismus, der schon Jahre zuvor einen nachhaltigen Einfluss auf jene weltweite Geburtenkontrollbewegung genommen hat, die heute unter dem Begriff Planned Parenthood auf eine Gesellschaft hin arbeitet, in der sogenannt archaische sexuelle Gesetze und irrationale Ängste vor Sex nicht mehr existieren.
Wie Jean-Paul Sartre in seiner Lebensgefährtin Simone de Beauvoir eine kongeniale Partnerin zur Ausbreitung seiner atheistischen Existenzphilosophie fand, so war für den Biologen Huxley die Gründerin von Planned Parenthood, Margaret Sanger, gewissermaßen der verlängerte Arm seiner genetischen Denkmodelle, die bis heute unsere Gesellschaft prägen und die im Genderismus voll ausgelebt werden.
Die Aufgabe der Geburtenkontrolle wie sie Margaret Sanger verstand, war zunächst die Bekämpfung der Gesetze, die Verhütungsmittel verbieten. Sie gründete das nach ihr benannte “Margaret-Sanger-Forschungszentrum”, das die Entwicklung der Pille und der Spirale finanzierte und hatte damit, in Verbindung mit Sterilisation und Abtreibung einer Verhütungsrevolution Vorschub geleistet, die im Begriff ist, die unaufhaltsame Selbstauslöschung der Industrienationen herbeizuführen. Das traditionelle Verständnis von Ehe war für sie ein zu bekämpfendes Übel. Nicht Gesetz oder Tradition heiligen die Ehe, sondern allein die individuelle sexuelle Befriedigung, denn “körperliche Liebe ist ein höheres Gebot als das bloße Gesetz“.[i] Zur “Verbesserung” des genetischen Potentials forderte Margaret Sanger die Sterilisation der armen Bevölkerung, um – ganz im Sinne Darwins Überleben des Stärkeren und im Sinne der ihr bekannten Genetiker – eine Rasse von “Vollblütlern” hervorzubringen: “Mehr Kinder von Tüchtigen, weniger von Versagern.”[ii]
Margaret Sangers Gedankenkonstruktionen deckten sich völlig mit Hitlers Theorien zur Züchtung einer arischen, rassisch hochstehenden Elite. Massensterilisation und Euthanasie von angeblich untauglichen Menschen rechtfertigten die Nationalsozialisten mit der Rassenhygiene, die nachweislich aus dem Programm der Geburtenkontrollbewegung Margaret Sangers stammte. Nach Bekanntwerden der logischen Konsequenzen von Hitlers Herrenmenschentum wandelte man den Begriff “Geburtenkontrollbewegung” um in die irreführende und schönfärberische Bezeichnung “International Planned Parenthood Federation (IPPF)” (Verband für geplante Elternschaft), deren Strategie es war, in den folgenden Jahren mit Hilfe der Vereinten Nationen die radikalen Ideen über Familienplanung, verpflichtende Sexualerziehung an den Schulen, Abtreibung und Sterilisation durchzusetzen und sie in politische Programme zu integrieren. Der deutsche Zweig der IPPF ist das Gründungsmitglied Pro Familia (für die Familie).
Feminismus und New Age als Vorreiter des Genderismus
Die Bewegung, die der Gender-Diskussion den Weg geebnet hat, ist der Feminismus. Vor allem der radikale oder Gender-Feminismus in Verbindung mit der Bewegung von New Age hat in den letzten Jahrzehnten die Umformung oder besser die Umerziehung der öffentlichen Meinung intensiviert, als eine die Gesellschaft verändernde Bewegung auf der Grundlage eines New-Age-Menschenbildes, das die Vorbereitung war zum Menschenbild des Genderismus. Es ging und geht den Gender-Feministinnen keineswegs um die Beseitigung von Ungerechtigkeit der Frau z.B. im Berufsleben. Im Gegenteil, die Forderung nach Gleichberechtigung ist ihnen ein Dorn im Auge, denn wo für die Gleichberechtigung gekämpft wird, verlieren sie ihr eigentliches Ziel: die weibliche Macht in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft – unter Ausschaltung der Männer – zur Geltung zu bringen. Gender Mainstreaming ist exakt das Kontrollinstrument zur Aufhebung der Männerdominanz. Familie, Mutterschaft und Schwangerschaft werden von den radikalen Feministinnen als Diskriminierung der Frau angesehen. Die Schwangerschaft sei barbarisch, als gesund könne man sie auch nicht bezeichnen.[iii] Es war dann auch die feministische Bewegung, die sich von Anfang an einig war im Kampf um die Freigabe der Abtreibung. Millionen Ungeborener wurden in den letzten Jahrzehnten abgetrieben. Wir sterben aus, die westlichen Länder leiden unter der sogenannten demographischen Katastrophe und noch immer hat kein Umdenken stattgefunden. Auf der einen Seite wird für die Abtreibung gekämpft, auf der anderen Seite will man die künstliche Fortpflanzung in Anspruch nehmen. Wie dekadent muss eine Gesellschaft sein, um die Schizophrenie darin nicht zu erkennen. Es geht auch hier den Gender-Feministinnen unverblümt um die Zerstörung der Familie, um die Zerstörung des Männlichen und Weiblichen, denn, das Ende der biologischen Familie, so heißt es in einem Studienprogramm, wird auch dem Bedürfnis für sexuelle Unterdrückung ein Ende bereiten. Es wird angestrebt, dass außereheliche, homosexuelle, lesbische Lebensweisen gesetzlich verankert und nicht lediglich toleriert werden. Die feministische Gleichheit bedeutet nicht nur Gleichheit vor dem Gesetz oder Gleichheit in der Befriedigung von Grundbedürfnissen, sondern, dass Frauen keine Kinder austragen müssen. Die Zerstörung der biologischen Familie erlaubt das Emporkommen neuer Frauen und Männer, die sich von allen bisher existenten Menschen unterscheiden. „Solange menschliche Wesen nicht in der Retorte entstehen, sondern von Frauen zur Welt gebracht werden müssen, so lange bleibt die Frau dem Manne gegenüber von vornherein im Nachteil.“ Daher wird statt der natürlichen Kinderzeugung die künstliche Befruchtung proklamiert, also in Vitro-Fertilisation. Außerdem verlangt die Strategie der Gender-Feministinnen, dass diese von ihnen geforderten Rechte als Weiterentwicklung der von der UNO geschützten Menschenrechte akzeptiert werden und benutzt die UNO, um dieses Recht weltweit zu forcieren.
Die eugenische Praxis
Die in London als “Spiel der Möglichkeiten” angesteuerte “künstliche Befruchtung” hat im heutigen Wissenschaftsbetrieb konkrete Formen angenommen: Nach einem Bericht in der britischen Tageszeitung “Times” aus dem Jahre 2003 hat ein lesbisches Paar bei einem Unternehmen, das auf der Website “ManNotIncluded.com” (Mann nicht inbegriffen) abgerufen werden konnte, unter Angabe der Hautfarbe, Größe und Haarfarbe, beruflichen Qualifikationen und Hobbys das Sperma eines anonymen Spenders bestellt, der “sehr gesund war, braune Haare und blaue Augen” hatte. Das Sperma wurde per Post frei Haus geliefert. Die künstliche Befruchtung konnte das Paar somit selbst vornehmen. Da die Reproduktionsmediziner in Homosexuellen und Lesben zukunftsträchtige Zielgruppen sehen, wurde mit dem in England praktizierten Verfahren eine wichtige Hürde genommen.[iv]
1965, also 3 Jahre nach dem Londoner Symposium, entwickelte John Money, Psychiater am Johns-Hopkins-Krankenhaus in Baltimore, USA, seine eigene Gottähnlichkeit und nahm auf seine Art sich konkret der “biologischen Zukunft des Menschen” an. Sexualität war – so könnte man sagen – sein Arbeitsgebiet und sein Spezialfach das Krankheitsbild von Trans- und Intersexuellen. Daraus entwickelte er, im Sinne von Simone de Beauvoir, die Theorie, dass ein Mädchen erfolgreich zu einen Mann und ein Junge ebenso erfolgreich zu einer Frau erzogen werden könne.
In einem aufsehenerregenden Artikel in der FAZ vom 7.9.2006 berichtete Volker Zastrow von einem Experiment Moneys mit den eineiigen Zwillingsbrüdern Bruce und Brian Reimer aus Kanada. Bei der Beschneidung mit einem elektrischen Instrument durch den Arzt wurde der Penis des einen Zwillings so schwer verbrannt, dass “das Glied sich schwärzte und bald vollständig abfiel”. Die verzweifelten Eltern hofften mit einer operativen Geschlechtsumwandlung, die ihnen von Money vorgeschlagen wurde, ihrem Sohn ein einigermaßen normales Leben bieten zu können.
Im Fall dieses Knaben Bruce glaubte nun der Psychiater Money seine Theorie erhärten zu können, dass man aus Männern ohne weiteres Frauen basteln könne. Es ging ihm letztlich darum, den Beweis zu erbringen, dass die Geschlechtsidentität durch Erziehung entsteht und mit der biologischen Geschlechtlichkeit nichts zu tun habe und unterzog den inzwischen 22 Monate alten Bruce einer operativen Geschlechtsumwandlung. Auf seine Anordnung hin war das Kind nun strikt als Mädchen zu erziehen. Doch mit beginnender Pubertät meldete sich der Mann in diesem umgestalteten Jungen, und er interessierte sich für Mädchen, da halfen weder die operative Geschlechtsumwandlung noch die Hormone, die diese bedauernswerte Kreatur schlucken musste. Der Psychiater Money diagnostizierte jedoch sein Verhalten als lesbische Veranlagung.
Als man ihm endlich die Wahrheit eröffnete, wollte er von da an nur noch als Junge leben. Statt weiblicher Hormone nahm er nun männliche, ließ sich wieder, soweit dies überhaupt möglich war, umoperieren und heiratete sogar. 26 Jahre lebte er sodann als Mann, doch im Frühjahr 2004 erschoss er sich mit einer Schrotflinte. Sein Zwillingsbruder Brian hatte sich schon ein Jahr zuvor mit Tabletten das Leben genommen.
Der Psychiater Money jedoch hat in all den Jahren, in denen er diesen unglücklichen Jungen behandelte, seine angeblich wissenschaftlichen Erfolge einer operativen Geschlechtsumwand lung an einem Kind, das eindeutig männliche Geschlechtsmerkmale aufgewiesen hat, in populär-wissenschaftlichen Lehrbüchern und Publikationen veröffentlicht. Seinem Hauptwerk, das 1973 herauskam, gab er den Titel “gender identity”. Auch in der Presse wurde sein “Fall” aufgenommen und als Beweis für die Gender-Theorie herangezogen: In der New York Times Book Review konnte man lesen: “Wenn man einem Jungen sagt, er sei ein Mädchen und wenn man ihn als Mädchen erzieht, dann wird er sich weiblich verhalten”.
Durch einen verantwortungslosen und ehrgeizigen Forscher und seine Helfer wurde die „Erbmasse“ Mensch zum Gegenstand von Experimenten erniedrigt und die angeblichen Erfolge durch die Medien künstlich aufrecht erhalten. Ohne diese “Pionierarbeit” Moneys hätte jedoch die Gender-Theorie wohl kaum 1993 in die weltweite Frauenpolitik und in die bürokratische Alltagssprache der EU-Länder Eingang finden können. Die Wissenschaftsgläubigkeit der Medienleute und ihrer Konsumenten haben ein Übriges getan, dass die „Fehlkonstruktion“ Mensch zum Gegenstand einer bejubelnden Manipulation werden konnte.
[i] Elasah Drogin: Margaret Sanger –Gründerin der modernen Gesellschaft, Schriftenreihe der Aktion Leben e.V., Heft 1, S. 16.
[ii] dito S. 13.
[iii] Shulamith Firestone: Frauenbefreiung und sexuelle Revolution, Frankfurt 1975, S.185.
[iv] Stefan Rehder: Unfruchtbarkeit für alle, Die Tagespost, Nr. 81 vom 10. Juli 2003, S. 9.