Medjugorje – Lügennetz und Sündenpfuhl (Teil 2)

von Friedrich Reusch, KJB St. Martin, Schwäbisch Gmünd

Die Früchte: Bares, Hotels und ein Granatwerfer

Die Franziskaner jedenfalls ließen sich nicht erschüttern und luden weiterhin freudig nach Medjugorje ein. Unterstützung erhielten sie dabei auch bald von neo-„monastischen“ Gemeinschaften aus dem Umfeld der Charismatischen Erneuerung. Auch karitative Werke wie ein Haus für Drogenabhängige wurden eröffnet. Medjugorje wurde von einer Hochburg „Verrückter“ bald zum prosperierenden Projekt einer abscheuerregenden Symbiose aus gefährlichem Spiritualismus, neoliberalen Ordensprojekten und organisiertem Tourismusmanagement. Merkwürdige Zitate von Papst Johannes Paul II. wurden kolportiert, wonach dieser am liebsten selbst nach Medjugorje kommen würde oder wonach die Beichten dort besonders wirksam seien. 1998 wies übrigens der damalige Leiter der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, solche Aussagen als frei erfunden zurück.[1] Irgendwann wurde die Sache zu einem Selbstläufer und den Medjugorje-Demagogen gelang es bald, von den peinlichen Anfängen der Erscheinung durch das Vermarkten des Ortes als Ort der Umkehr, Beichtstuhl Europas usw. abzulenken. Medjugorje wurde vielfach nicht mehr an den teilweise häretischen Aussagen der Erscheinung gemessen, sondern an den angeblichen Früchten, die die Beichte dort zeitige.

Dazu ist festzustellen: Dass die vielen Beichten, die in Medjugorje gehört werden, in manchen Fällen die guten Früchte einer dauerhaften Bekehrung nach sich ziehen, ist kein Wunder, sondern eine Selbstverständlichkeit – alles andere würde ja die Glaubwürdigkeit des Beichtsakramentes selbst bezweifeln lassen! Diese Bekehrung – sofern denn wahr und echt – aber der „Gospa“ und Medjugorje anstatt Christus und der katholischen Kirche zuzuschreiben, ist irrig und abwegig. Auch relativiert es nicht das an sich falsche Fundament, auf dem Medjugorje hochgezogen wurde – viel schlimmer: Durch das Vermischen von negativer Grundlage mit positiven Elementen wird der Wahrheit ins Gesicht geschlagen.

Einen „positiven“ (lukrativen) Nebeneffekt bildeten ferner bald die vielen Hotels und die Läden gewisser Modemarken, die Medjugorje auch zu einem wirtschaftlichen Zentrum in der sonst eher ärmlichen Region mach(t)en.

Dem Priester aber, der die Erscheinungen von August 1981 an be- und geleitet hat, Pater Tomislav Vlašić, wurde bald nachgewiesen, einen unehelichen Sohn gezeugt zu haben. Pater Vlašić löste den vorherigen Seelsorger des Ortes, Pater Jozo Zovko, ab, nachdem dieser im Oktober 1981 kurz nach Beginn und als „Rädelsführer“ der Erscheinungen – offiziell aufgrund „nationalistischer Verschwörung“ – von den kommunistischen Machthabern inhaftiert worden war.[2] Kurz vor Beginn der Ereignisse in Medjugorje hatte Schwester Briege Mc Kenna über Vlašić beim internationalen Gebetstreffen der Charismatischen Erneuerung in Rom gebetet und ihm prophezeit, Gott würde ihm seine Mutter senden.[3] Pater Vlašić schrieb, wie der deutsche Fotograf Walter Furhoff festhielt[4], allem Anschein nach auch teilweise die Botschaften selbst nieder – seit den in diese Richtung deutenden Fotografien Furhoffs werden die Botschaften nicht mehr in der Sakristei der Kirche niedergeschrieben. Pater Vlašić wurde übrigens schließlich im Mai 2009 von Papst Benedikt XVI. laisiert. Bereits zuvor stand er unter dem Interdikt aufgrund grober Verstöße gegen die kirchliche Disziplin, die Vorwürfe lauteten: „Verbreitung zweifelhafter Lehren, Manipulation der Gewissen, verdächtiger Mystizismus, Ungehorsam gegenüber Weisungen, die ihm zu Recht auferlegt wurden, und Beschuldigungen der Sünde contra sextum“ (d. h. gegen das sechste Gebot).[5] In einem Brief Pater Vlašićs an die Mutter seines Sohnes, eine Ordensschwester, lesen wir: „(…) Du wirst Gottes Segen dafür ernten, wenn Du es für Dich behältst, denn Du rettest dadurch eine Menge Schwestern und Brüder und die Welt in diesen traurigen Zeiten. Das ist verdienstvoller als Dein Leben als Ordensschwester. Du wirst ganz wie Maria sein, die ihr besonderes Schicksal annahm und mit ihrem Kind dahin ging, wohin sie die Vorsehung führte, und das Kind wurde trotz ihrer Kreuze zum Ursprung größter Herrlichkeit.“[6] Was sagt dies über den Wahrnehmungszustand eines Mannes aus, der die Pfarrei von Medjugorje jahrelang (bis September 1984) leitete? Es macht die Ereignisse um Medjugorje nicht unbedingt glaubwürdiger!

Der Verdacht auf Verbindungen zu kroatisch-nationalistischen Kreisen erwies sich indes schon bald als wahr, denn Medjugorje war während des jugoslawischen Bürgerkriegs eines deren Zentren: So diente das Franziskanergrundstück unterhalb des sogenannten „Erscheinungsbergs“ als Testgelände für Granatwerfer[7], die mit den Medjugorje-Franziskanern verbündeten kroatischen Freischärler betrieben auch unweit von Medjugorje das berüchtigte Kriegsgefangenenlager Dretelj, in dem etliche serbische Kriegsgefangene gefoltert und ermordet wurden.[8] Medjugorje war ferner der Ausgangspunkt einer großen „ethnischen Säuberungsaktion“ kroatischer Freischärler im Juli 1992, in deren Zug das serbisch-orthodoxe Kloster Žitomislići völlig zerstört wurde.[9] So viel zu den Früchten. Bei der Recherche zu diesem Artikel erhielt ich von einem Kenner des jugoslawischen Bürgerkriegs den Hinweis auf eine ZDF-Reportage aus dem Jahr 1992 mit dem Titel: „Sie sind alle verrückt geworden – über den Haß in der Herzegowina“, der im Internet in der ZDF-Mediathek einzusehen ist.[10] Die Reportage zeigt auch das Markenzeichen der kroatischen Kämpfer: Um den Hals der Männer hängt ein Medjugorje-Rosenkranz. Das Verhalten der kroatischen Kämpfer in der Herzegowina war aber oft nicht sonderlich christlich. In der ZDF-Reportage bekennt ein alter Kämpfer: „Wenn du einen Serben hasst, schlachtest du ihn mit allem ab, was dir gerade zur Verfügung steht!“[11] Auch eine Nähe zum früheren faschistischen Ustaša-Regime Kroatiens drängt sich dem Beobachter auf, werden doch dem deutschen Kamerateam provokativ der Hitlergruß gezeigt, die Parole „Sieg Heil!“ geschrien, und es sind ebenso Hakenkreuze und wie ein Bild des Ustaša-Führers Ante Pavelić bei den kroatischen Freischärlern zu sehen. Einer der Freischärler sagt in die Kamera: „Na klar nehmen wir Drogen mit, Mann. Hier nimmt fast jeder Drogen, 70, 80 % der Leute. Wir steh’n auf Sex und Drugs und Rock’n Roll.“[12] Und das sollen also nun die Soldaten sein, die in einer besonderen Verehrung und unter einer besonderen Beeinflussung der „Gospa“ von Medjugorje stehen? Um eines klarzustellen: Unsere Aufgabe und Intention ist es hier nicht, herauszufinden, wer wie viel Schuld an diesem Krieg hatte oder welche Seite mehr Massaker verübt oder welche „angefangen“ hat. Aber die Muttergottes würde sich bestimmt nicht von dem Hass einer der Kriegsparteien vereinnahmen lassen. Schließlich liebt die Muttergottes alle Menschen und wünscht alle zu bekehren. Die in einer jahrhundertealten Tradition stehenden katholischen Kroaten sollten ihr teures Glaubensgut bewahren, statt sich zwielichtigen politischen Bewegungen anzuschließen und zweifelhaften geistlichen Phänomenen kritiklos Glauben zu schenken. Medjugorje ersetzt nicht Rom und ein totalitäres Regime nicht den Papst, auf den die Katholiken in aller Welt schauen.

Der Ortsbischof tat also ganz recht, wenn er gegen dieses Treiben vorging, das bald schon mafiöse Züge angenommen hatte und für das Ansehen der Kirche höchst schädliche Querverbindungen zwischen den Verwaltern der Medjugorje-Erscheinung und Kriegsverbrechern offenbarte. Alles in allem ist das einzige Wunder im Zusammenhang mit Medjugorje für mich jenes, dass scheinbar kein auch noch so großer Skandal und keine noch so eindeutig formulierte Häresie der Medjugorje-Erscheinung, kein so offensichtliches Widersetzen der Medjugorje-Anhänger gegen die kirchliche Autorität dieses Phänomen aufzuhalten vermag.

Heilige Maria, du Braut der Wahrheit und Schlangenkopfzertreterin, bitte für uns!

Fortsetzung folgt!


[1] Englische Übersetzung der Stellungnahme von Bischof Perić, 17. Februar 2004.

[2] http://www.kathpedia.com/index.php/Jozo_Zovko, zuletzt geändert am 17. Oktober 2009, 21.02 Uhr

[3] Jones, E. Michael: Das Geheimnis von Medjugorje. Durach 1992, S. 135.

[4] http://www.unitypublishing.com/newswire/compose.html, 17.7.2009.

[5] http://www.kath.net/detail.php?id=23547, 30. Juli 2009, 16.34 Uhr

[6] Jones, E. Michael: Das Geheimnis von Medjugorje. Durach 1992, S. 81-82.

[7] Bax, Mart: Warlords, Priests and The Politics of Ethnic Cleansing: a case-study from rural Bosnia Hercegovina. Detroit (Wayne State University) 2000. Veröffentlicht in: Ethnic and Racial Studies, Bd. 23 Nr. 1/Januar 2000 (Tayler & Francis Ltd.), S. 16-36 [im Internet einsehbar unter http://www.cla.wayne.edu/polisci/dubrovnik/readings/bax.pdf (Stand 03.9.2009)].

[8] Bosnia Camp Guard Convicted in Denmark, in: New York Times, 23. November 1994 und: Aleksov, Bojan: Marian Apparitions and the Yugoslav Crisis. Budapest (Central European University), Juni 2004.

[9] Riedlmayer, András: Žitomislići. Haverford College, o.J. und: Orthodoxes Kloster Žitomislići in der Hercegovina wieder aufgebaut, Kathpress, Wien, Meldung 112/2005.

[10]http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Sie_sind_alle_verrueckt_geworden_…/506158?inPopup=true, 28.9.2009.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

13 comments on “Medjugorje – Lügennetz und Sündenpfuhl (Teil 2)

  1. Dieser Artikel tut richtig weh.
    Und allein, dass er weitestgehend nur negative Aspekte aufgreift, zeigt für mich, welche Gesinnung wirklich hinter diesem Artikel steht.
    Mag sein, dass es Verfehlungen von Menschen gegeben hat. Aber Menschen sind Menschen und nicht frei von Sünde.
    Dieser Text wirkt fast schon aggressiv, kein Wunder.
    Ich weiß nur für mich, dass jeder, der sich der Möglichkeit öffnet (Möglichkeit!), dass es göttliche Wunder geben kann, mit seinem Herzen erkennen kann, ob solche Dinge wahr sind.
    Ich habe es erkannt und durch Medjugorje nie gekanntes Glück erfahren und erfahre es immer noch und bin sehr dankbar für die Erscheinungen.
    Mit 14 Jahren habe ich das erste Mal davon gehört und damals einfach gefühlt, dass es richtig ist. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, aber dann sollte man objektiv berichten, nicht reißerisch.

    • greenberlin,

      ihr Kommentar tut richtig weh – Sie müssen ihn übrigens nicht unter jeden Teil posten, so toll ist er auch wieder nicht, gell…

      im übrigen: können Sie auch etwas gegen die im Artikel genannten Fakten sagen???

  2. Warum erwähnt eigentlich keiner dass es vor der ersten angäblichen Erscheinung maria´s es einen Pfarrer gab der diese Erscheinung vorangekündigt hat. Und das dieser Pfarrer auf eine Untersuchung durch den Vatikan pochte. Und das einzige was der Vatikan bei dieser Untersuchung vestellte war……. Das der besagte Pfarrer eine Nonne geschwängert hat und seitdem im Vatikan im Gefängniss sitzt…
    Medjugogje…. Ist ein riesen Wirtschaftswunder nichts anderes…..

  3. Sehr geehrter Herr Reusch!
    Für den Mist,den sie da schreiben,würde ich mich,mal unter suchen lassen,wo es bei Ihnen fehlt!
    aber ich kann es Ihnen jetzt schon sagen,wahrscheinlich im Gehirn!

    Herzlichst Joe Francis Schweiger

    Heilige Maria Mutter Gottes Du Retterin der Christenheit hilf uns!

      • lieber Joe, Francis, der liebe Gott heilt, auch, Rechdschreipschwäche, besonders, wenn,man, immer KOmm,as setzt wo keine, hingehören

  4. Sehr geeherte Herr Reusch, ich bin keine naive Beobachterin der Ereignissen in Medjugorje. Ich habe ein Abschluss in Theologie, Ethik, Psychologie und Pädagogik. (Ich etschuldige mich nur für die Rechtschreibung, Deutsch ist nicht meine Muttersprache). Ich will Ihnen nur sagen, dass ich täglich mit Jugentlichen arbeite und dass es fast unmöglich ist, den Jugentlichen (wie den Erwachsenen) zu erklären, wie und warum auch noch heute Sachen wie Beichte, Gebet oder Eucharistie wertvoll sind. Besonders die Beichte verschwindet aus unsere Kirche erstaunlich schnell. Also, wenn sie tatsächlich behaupten, es reicht den Menschen ein Paar erfundene Botschaften vorzulesen und eine Erscheinung vorzutäuschen um sie für den Christus und die Kirche wieder zu begeistern, dann, entschuldigen sie, sind sie Nobel-Preis-reif. Wozu dann die ganze Pastoral der Kirche? Wozu teuere Stadtmissionen? Wenn ihre Teorie stimmt und ein “Fake” hat die Westlichen (!) Menschen zu Umkehr geführt, dann, glaube ich, hat sich dass trotzdem ausgezahlt!

    • Liebe Frau Häusl-Vad! Alleine die Tatsache, dass sie gleich zu Beginn angeben, welche Studien Sie angeblich absolviert haben, lässt sofort erkennen, wessen Geistes Kind Sie sind ….. auf alle Fälle ganz sicher KEIN Mensch mit marianischer Ausrichtung!!!!
      Sie tun ja gerade so, also ob die kath. Kirche ohne Medjugorje untergehen würde?
      Sie irren sich!
      Ich führe nur ein Beispiel an: Die Legion Mariens ist eine Organisation von ehrenamtlichen Betern mit marianischer Ausrichtung. Diese Vereinigung ist mittlerweile weltweit vertreten und zählt bereits sehr viele Mitglieder. Es handelt sich hier um fleißige, stille Beter, die nicht so ein schrilles Tamtam wie viele Medjugorje-Fanatiker veranstalten!
      Im Großen und Ganzen kann die Legion Mariens eine gesunde, bodenständige Spiritualität vorweisen (natürlich sind einzelne “Irrlichter” nirgends auszuschließen – aber das ist die Lernaufgabe der Christen, die Unterscheidung der Geister zu erlernen)!
      Also, es gibt auch heute genügend GUTE ALTERNATIVEN – auch für Junge – zum oberflächlichen, falschen Medjugorje-Geschwätz!

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