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Interview mit Pater Niklaus Pfluger (Teil 1)

Verfasst von dergeradeweg am 25. Juni 2009

178Kurz vor seiner Indien-Visitation im Frühjahr gab der Generalvikar der Piusbruderschaft St. Pius X., Pater Niklaus Pfluger, dem DGW ein Interview. DGW-Online wird  das Gespräch nun in mehreren Teilen veröffentlichen. Hart aber ehrlich – ein Interview, welches die Gemüter in Wallung bringen dürfte…

DGW: Waren Sie eigentlich auch einmal aktiver KJBler?

Pater Niklaus Pfluger: Eine überraschende Frage die aber deutlich macht, wie die Zeit vorbeifließt; die KJB ist keine junge Bewegung mehr!

Natürlich war ich seit der Gründung der KJB bis zu meinem Seminareintritt (1978) aktiv, und zwar in der Gruppe St. Stephanus in Luzern, welche damals noch an verschiedenen privaten Orten zusammenkam. Ich erinnere mich noch gut an unser erstes internationales Treffen in Ulm, um 4.00 Uhr in der Früh wurde ich im Internat abgeholt, es folgte eine stundenlange Busfahrt durch zähen Nebel, ein wunderschönes Treffen mit vielen neuen Gesichtern, und am gleichen Tag fuhren wir wieder zurück in die Schweiz. Der Einsatz vieler für die KJB war beeindruckend: Man hat Freunde zur Gruppenstunde mitgebracht, hat andere mit dem Auto abgeholt; das war oft Woche für Woche bis zu einer Stunde „Taxifahrt“ vor und nach der Gruppenstunde, ein beeindruckender selbstloser Dienst für die Gemeinschaft, für die KJB, ganz besonders vonseiten der Gruppenleiter. Bei der KJB zu sein war eine Ehre, an der Gruppenstunde teilzunehmen war selbstverständlich.

Vor kurzem erhielten wir im Generalrat in Menzingen einen Distriktsbericht, da war unter anderen Themen auch von einer KJB-Gruppe die Rede, welche sich beklagt über zu viele Vorträge in den Gruppenstunden, bei den Treffen etc. und die geschlossen beim letzten KJB-Treffen dem Vortrag des Generaloberen fernblieb! Das mag ein einzelnes Vorkommnis sein, wäre aber damals undenkbar gewesen.

In den ersten Jahren meiner Seminarzeit haben wir mitgeholfen, den DGW herauszugeben, damals noch vom Seminar aus und auf Wachsmatrizen, Blatt für Blatt zusammengeheftet. Dazu gehörten auch Redaktionssitzungen, Treffen für KJBler im Seminar oder außerhalb, Vorbereitung der großen Treffen usw.

Für mich persönlich noch wichtiger war die Arbeit für die KJB-Gruppen während der Ferienzeit. Oft haben wir über mehrere Wochen hindurch jeden Abend eine jeweils andere Gruppe in der Schweiz besucht und Vorträge gehalten. Das hat neben der interessanten Arbeit mit den Jugendlichen das spätere Predigen und Vorträge halten erleichtert, in der Gruppenarbeit hat man gelernt, den „Leuten aufs Maul zu schauen“, das war eine wertvolle Erfahrung.

DGW: Haben Sie später als Priester eine KJB geleitet? Wenn ja, worauf legten Sie besonders wert?

Pater Niklaus Pfluger: Bei meiner ersten Stelle im Priorat Oberriet hat mir der Prior die Jugendarbeit übertragen. Es gab eine gut funktionierende Gruppe, die sich wöchentlich im Priorat getroffen hat. Damals und auch später, wenn ich eine Gruppe regelmäßig besuchte, behandelte ich in den Vorträgen immer zuerst das Programm der KJB, das war didaktisch unkompliziert und hat alle angesprochen. Vor allem war es so möglich, die Einzelnen an die Gruppe zu binden und zu einem gelebten Christentum hinzuführen. Das schien mir das Entscheidende zu sein, dass der junge Mensch den Glauben nicht einfach wie einen Rucksack oder einen Mantel trägt – der Glaube soll vielmehr den ganzen Menschen durchdringen und vervollkommnen: Geist, Wille, Natur, Leib und Seele.

Ein Teil der Mitglieder in Oberriet war sehr jung und im Laufe des Jahres kamen neue hinzu; so hielt ich mit ihnen separate Gruppenstunden, um sie an die KJB heranzuführen.

Eine weitere Gruppe (Buttikon) betreute ich monatlich. Von dieser Gruppe kamen die Kernmitglieder jeweils monatlich an einem Sonntag ins Priorat nach Oberriet, da wurden spezielle Themen behandelt und Handreichungen zur Gruppenarbeit vermittelt. Das war eine sehr intensive Formung und für alle auch menschlich sehr prägend, die Freundschaften bestehen bis heute.

Ein Jahr später kam ich nach Basel, wo wir das Priorat zu gründen und aufzubauen hatten – eine Kapelle ebenso wie eine Jugendgruppe bestanden schon. Aber die KJB-Gruppe war sehr klein und mehr oder weniger eingeschlafen. Da habe ich gesehen, wie viel mit Jugendlichen erreicht werden kann, wenn die Formung ganzheitlich erfolgt und – nachhaltig, würde man heute sagen. Innerhalb von knapp zwei Jahren waren wir so um die 30 – ein beachtlicher Eifer, eine tolle Gemeinschaft, eine ansteckende Freude. Der Distriktobere ließ uns viel Freiheit und so konnten wir das Priorat so einrichten, dass die Jugendlichen bei Treffen im Priorat übernachten konnten, die Jungs im Haus und die Mädchen in den Räumlichkeiten unter der Kapelle. Mehrmals im Jahr hielten wir übers Wochenende Treffen für zwei, drei Gruppen ab, aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland. Das war für uns junge Priester eine schöne Zeit. Wir haben die Erfahrung machen können, dass die Gruppe einen grundlegenden Wert für die Formung darstellt und dass es möglich ist, Jugendliche – mit diesem KJB-Programm – zu begeistern und zu formen. Es gingen Berufungen daraus hervor, Familien sind später entstanden, die ihre Prägung in der KJB erhalten hatten.

Als Distriktoberer hatte ich nicht mehr direkt Gruppen zu betreuen, aber wir hatten in der Schweiz eine gute Struktur mit einem Priester, der für die KJB zuständig war. In den 80er- und 90er-Jahren war das Pater Lukas Weber, der die Unterstützung des Distrikts wie auch der einzelnen Priester hatte.

Als Regens im Seminar hatte ich insofern mit der KJB zu tun, als der DGW redaktionell von Seminaristen herausgegeben wurde und sich ab und zu Gruppenleiter im Seminar trafen und Vorträge erhielten.

(Fortsetzung folgt!)

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