Editorial DGW 2/2009
Verfasst von dergeradeweg am 11. Juni 2009
Liebe KJBler,
die Sommerausgabe bietet ein abwechslungsreiches Spektrum an Artikeln, die mit Sicherheit jedes langweilige „Sommerloch“ geistreich füllen werden.
Brennpunkt:
Ganz im Sinne der Jahreslosung und des „Paulusjahres“ widmet sich der Brennpunkt dieser Ausgabe dem wichtigsten Missionar der frühen Kirche: Paulus von Tharsus, in seinem Wirken unermüdlich, wird auch „Völkerapostel“ genannt. Mehrere zehntausend Meilen legte er auf seinen Missionsreisen zu Fuß zurück, gründete etliche Gemeinden aus Juden und Heiden, schrieb Briefe von kaum je erreichter literarischer Qualität innerhalb der religiösen Literatur. Bei Tag und bei Nacht, in den Häusern, auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, in der Synagoge und in Hörsälen verkündete er die Lehre Jesu Christi und wurde so zum Mitbegründer des christlichen Abendlandes.
Die KJB-Gruppe in Dresden hat diese fundamentale Weltkirchenleistung des hl. Paulus entsprechend gewürdigt und eine Reihe höchst interessanter Artikel für den DGW zusammengestellt. Besonders dem „Interview“ mit dem hl. Paulus spreche ich meine besondere Empfehlung aus. Der erste Teil dieser Dresdner Veröffentlichungen zum Paulus-Thema liegt nun vor. Eine Fortsetzung wird in der Nummer 3/2009 im Herbst erscheinen.
DGW-Spezial:
Warum soll ich die Gebote der Moral beachten, wenn mir das Verbrechen einen größeren Vorteil verschafft? Diese Frage bewegte die Philosophen und Staatstheoretiker von der Antike bis heute – und da jede menschliche Gemeinschaft ohne verbindliche Regeln des zwischenmenschlichen Miteinanders zum Scheitern verurteilt ist, bedarf auch jeder Staat einer philosophischen Letztbegründung der Sittlichkeit: An dieser Stelle berühren sich Anthropologie, Theologie und Staatstheorie. Der Versuch der Frühaufklärung, die Moral durch das von Natur aus gute Wesen des Menschen zu begründen, scheiterte am pessimistischen Menschenbild des Nihilismus. An der Schwelle der Postmoderne verbleibt uns allein eine Wiederentdeckung der antiken Politeia und der mittelalterlichen Civitas: Die Ausrichtung des irdischen Gemeinwesens auf das Jenseits ist nicht nur das Ergebnis christologischer Erwägungen, sondern eine Überlebensnotwendigkeit des postmodernen Staates.
Der erst 19-jährige Freiburger Jurastudent Anton Löhmer hat mit dem Artikel „Marquis de Sade und die Krone der Aufklärung – Warum die Trennung von Kirche und Staat überholt ist“ einen bemerkenswerten Aufsatz geschrieben, der Kenner und Laien beeindrucken wird. Mathias Müller war es, der dieses junge Talent für den DGW gewann wie ihm auch das Anliegen der Priesterbruderschaft St. Pius X. näherbrachte. Sein Lebensweg ist beeindruckend: Anton Löhmer fand mit 14 Jahren zum katholischen Glauben, wurde auf seinen Wunsch hin getauft und zeigt seither einen starken Eifer, seinen Mitmenschen – vor allem in intellektuellen Kreisen – die christliche Heilsordnung zu erschließen. Er zeichnet sich durch ein sehr großes Wissen in den Bereichen Theologie und Philosophie aus und hat damit schon sehr oft Liberale argumentativ schachmatt gesetzt.
Der Artikel ist zugegebenermaßen keine leichte Kost und lockt nicht mit ansprechender Unterhaltung, dafür aber ist er umso mehr allgemeinbildend und grundlegend. Wer den Inhalt also voll erfassen will, dem sei angeraten den Artikel mehrere Male zu lesen…
KJB-Aktuell:
Kurz vor seiner Indien-Visitation im Frühjahr traf ich den Generalvikar der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Niklaus Pfluger, in Menzingen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mit ihm ein ausführliches Interview zu machen. Die „rechte Hand“ unseres Generaloberen erzählte aus seiner eigenen KJB-Zeit, über Wesen und Entstehung der KJB-Charta, die vor just drei Jahren aufgestellt wurde. Des Weiteren analysierte er die KJB-Deutschland und verglich sie mit dem MJCF (Mouvement de la Jeunesse Catholique de France), dem französischen Pendant zur KJB. Dabei erläuterte er Unterschiede und rief dazu auf, die Zugehörigkeit zur KJB als ein echtes Privileg anzusehen, mehr Hingabe und Selbstaufgabe für unsere Jugendorganisation an den Tag zu legen und nicht im Sumpf der Mittelmäßigkeit eines Lebens in Sicherheit zu verharren. Hart aber ehrlich – ein sehr empfehlenswertes Interview, welches die Gemüter in Wallung bringen dürfte…
Leider hat es aus zeitlichen Gründen für eine Reportage über die Chartres-Paris-Wallfahrt nicht mehr gereicht. Dafür findet ihr einen Bericht über das KJB-Deutschlandtreffen am ersten Maiwochenende in Karlsruhe. Aktuelle Infos dazu und auch exklusive Berichte zu KJB und DGW findet ihr auf www.dergeradeweg.wordpress.com. Hier könnt ihr euch immer schnell über das aktuelle Geschehen informieren.
Gesellschaft:
Die erste sexuelle Revolution befreite die Frauen von den Folgen des Geschlechtsverkehrs. Die nächste sexuelle Revolution gibt ihnen die Freiheit, auch im vorgerückten Alter noch Kinder zu bekommen. In der Weltwoche (Ausgabe 11/2008) erschien ein interessanter Bericht über die neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften, mit denen der Mensch einmal mehr versucht, zu sein wie Gott. Urs Schuler, Medizinstudent der Ludwid-Maximilian-Universität in München kommentiert uns diese Vorhaben und zeigt auf, warum der Mensch sich solchen Perversionen hingibt und wohin dieser Weg führt.
„Ist Abtreiben erlaubt?“ – mit dieser provokanten Frage leitet David Maria Ernst, Philosophiestudent der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, seine ethische Zurückweisung dieses eben aufgestellten und von der breiten Gesellschaft bedauernswerterweise akzeptieren Postulats ein. An seinen Erörterungen ist bemerkenswert, dass er seine Zurückweisung nicht – wie in unseren Kreisen üblich – moraltheologisch, sondern ethisch begründet, um auch nichtgläubige Menschen zu erreichen. David M. Ernst schlägt so die moderne Gesellschaft mit ihren eigenen Waffen, denn sie versucht die Abtreibung nicht nur zweckethisch, sondern auch moralisch zu rechtfertigen. Dieser Versuch, Verwerfliches als moralisch vertretbar zu beweisen, muss zwangsläufig fehlschlagen. Sein Fazit: Abtreibung ist und bleibt Mord, auch wenn man dies mit unpräzise verwendeten Begrifflichkeiten zu vertuschen sucht!
Einen erholsamen Sommerurlaub wünscht Euch
Euer Matthias Schäppi