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ACRITER ET FIDELITER

Verfasst von dergeradeweg am 26. März 2009

gsp05785Am 1. Juni 2005 trat ich meinen Dienst in der Päpstlichen Schweizergarde an, unter anderem mit Stephan Benz (KJB Oberriet). Im Juni 2007 verließ ich die Garde nach 2 Jahren Dienst wieder. Gerne bringe ich Euch in meinem Bericht die Garde ein wenig näher.

 Von Severin Arnold

Gründung der Schweizergarde

Die Gründung der Schweizergarde geht auf das Jahr 1503 zurück, als Giuliano della Rovere als Julius II. zum Papst gekrönt wurde. Sein Ziel war es bei seinem Antritt,  Italien von ausländischer Herrschaft zu befreien. Dabei hatte er es vor allem auf die Franzosen, welche Gebiete in Oberitalien besetzt hielten, abgesehen. Mit seiner Reformpolitik schuf er sich jedoch sehr viele Feinde. Deshalb wollte er gleich nach seiner Wahl zu seiner persönlichen Sicherheit eine Leibgarde um sich scharen.  Schweizer Söldner genossen zu jener Zeit einen überaus guten Ruf als tapfere und begabte Krieger. Unter König Karl VIII. von Frankreich kämpften sie erfolgreich im Feldzug gegen Neapel. Im tiefen Winter des Jahres 1505 begaben sich ca. 150 Männer unter dem Kommando von Kaspar von Silenen (Kommandant von 1506 bis 1517) von Zürich über den Gotthard nach Mailand bis weiter nach Rom. Schlussendlich trafen die Söldner am 22. Januar 1506 in Rom ein. Durch die berühmte Porta del Popolo zogen sie Richtung Vatikan, wo sie den Segen des Papstes erhielten. Noch am gleichen Abend bezogen sie ihr Quartier. Seither gilt der geschichtsträchtige 22. Januar 1506 als Gründungsdatum der Päpstlichen Schweizergarde.

Ein wichtiges Ereignis ist aber sicher der 6. Mai des Jahres 1517, an dem der sogenannte Sacco di Roma (die Plünderung Roms) stattfand. Habsburgische und spanische Söldner fielen in die Stadt Rom ein und plünderten und wüteten grausam. Auch den Vatikan ließen sie nicht unberührt. Und so geschah es, dass über 140 Hellebardiere einschließlich ihres Kommandanten ihr Leben für den Papst ließen. Ca. 40 Gardisten konnten sich mit dem Hl. Vater über einen Fluchtweg (Passetto), der vom Päpstlichen Palast über eine teilweise überdachte zinnenbewehrte Mauer zur Engelsburg führte, in Sicherheit bringen. Der 6. Mai ist deshalb ein Datum, das für die Schweizergarde eine ganz besondere Bedeutung hat. An diesem Datum  findet seither die alljährliche Vereidigung der neu eingetretenen Gardisten statt.

500-Jahr-Jubiläum

Im Jahre 2006 konnte die Päpstliche Schweizergarde auf 500 Jahre Geschichte zurückblicken. Zu diesem Anlass fanden in Rom und in der Schweiz verschiedenste Aktivitäten und Feierlichkeiten statt. Am 22. Januar 2006 wurden in der Sixtinischen Kapelle und im Schweizerischen Fribourg feierliche Messen zelebriert. Nach dem Festamt in Rom versammelte sich eine Garde-Einheit auf dem Petersplatz, um dem Papst während des sonntäglichen Segens (Angelusgebet) die Ehre zu erweisen. Erwähnenswert ist auch der Marsch etlicher Ex-Gardisten von Bellinzona nach Rom. Sie liefen den genau gleichen Weg wie damals die ersten Söldner im Jahre 1505. Der Einmarsch in Rom zusammen mit der aktiven Garde von der Piazza del Popolo durch die Via Conciliazione war sehr beeindruckend! Der Höhepunkt war dann aber die Vereidigung auf dem Petersplatz. Normalerweise wird diese im Innenhof (Cortile San Damaso) des Papstpalastes abgehalten. Aus Anlass der 500-Jahr-Feierlichkeiten hatte ich die große Ehre, meinen Eid auf dem Petersplatz abzulegen; dieses Ereignis werde ich wohl nie vergessen.

Weitere geschichtliche Aspekte hier zu erwähnen, würde den Rahmen dieses Berichtes wohl sprengen. Für Interessierte habe ich im Anhang noch einige weiterführende Literaturverweise über die Schweizergarde angefügt.

Grundsätzliches

Der Bestand der Schweizergarde beträgt ca. 110 Mann und setzt sich aus Offizieren, Unteroffizieren und Hellebardieren zusammen. Zahlenmäßig kann man das Gardekorps mit einer Kompanie vergleichen. Das Kommando besteht aus den Offizieren, dem Feldweibel und dem Kaplan. Gardeoffiziere können sowohl aus den eigenen Reihen stammen (hochgedient) oder von außerhalb in das Korps aufgenommen werden. Die Garde ist in drei Geschwader aufgeteilt, welches je von einem Offizier geführt wird. Im zweiten Geschwader werden mehrheitlich die französischsprachigen und Tessiner Gardisten untergebracht, während dem dritten Geschwader die Musikanten (Gardespiel) angehören. Das erste Geschwader rekrutiert vor allem Gardisten, welche in der Fußballmannschaft der Schweizergarde mitspielen. Ja, Ihr habt richtig gelesen, im Vatikan gibt es sogar eine eigene Fussballmeisterschaft.

Aufnahmebedingungen

Jeder männliche Schweizer Bürger im Alter von 19 bis 30 Jahren kann in die Päpstliche Schweizergarde eintreten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind.

  • Mindestgröße: 174 cm
  • Konfession: römisch-katholisch
  • Stand: ledig (Heirat ist erst ab dem Range eines Korporals erlaubt, ansonsten muss man die Garde verlassen)
  • Einwandfreier Leumund
  • Berufsausbildung: Bestandener Lehrabschluss oder absolvierte Matura (Abitur)
  • Wehrausbildung: Abgeschlossene Rekrutenschule im Schweizer Militär

 Zudem sollte man sowohl physisch als auch psychisch in guter Verfassung sein. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, wird in einem Bewerbungsgespräch mit einem Mitarbeiter der Informations- und Rekrutierungsstelle Schweiz (IRS) über die Aufnahme in die Schweizergarde entschieden. Bei einer Aufnahme verpflichtet man sich für mindestens 2 Jahre, in der Garde zu dienen. In der Rekrutenschule wird dann nochmals ein ausführlicher Gesundheitscheck durchgeführt, der über einen definitiven Eintritt in die Garde entscheidet.

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