Der Gerade Weg

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„Geschlechterklischees“ und die Würde der Frau

Verfasst von dergeradeweg am 9. Januar 2009

von Dr. Heinz-Lothar Barth

Das EU-Parlament will Werbung nach „Geschlechterklischees“ verbieten. So berichtete z.B. das KOMMA-Magazin (Nr. 53/2008, S. 34): „Eva-Britt Svensson hatte vor der Abstimmung im Europaparlament eine klare Linie festgelegt: ‚Geschlechtsspezifische Klischees in der Werbung stecken Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in eine Zwangsjacke, beschränken Individuen auf vorgegebene künstliche Geschlechterrollen, die oftmals herabwürdigend, beschämend und erniedrigend für beide Geschlechter sind’, schrieb die schwedische EU-Abgeordnete der Vereinigten Linken in ihrem Bericht für den Frauenausschuss. Svenssons Argumentation teilte die Mehrheit der Abgeordneten – sie wollen die Hausfrau an Herd oder Waschmaschine aus der Fernsehwerbung verbannen.“  

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Solch einen Unsinn, der seinen Ursprung der lächerlichen, aber äußerst gefährlichen Gender-Ideologie verdankt, kann man nur salopp, wenngleich fast verharmlosend, mit den Worten kommentieren, mit denen KOMMA seinen Artikel überschrieb: „Was für ein Schmarr’n!“ Jener Wahnsinn, der immer üppigere Blüten treibt, ist an sich wissenschaftlich längst widerlegt. Man kommt eben, anders als es uns schon Simone de Beauvoir hatte weismachen wollen (zu ihrem Leben und Denken siehe Karl Simpfendörfer, Verlust der Liebe – Mit Simone de Beauvoir in die Abtreibungsgesellschaft, Stein am Rhein 1990), sehr wohl als Frau (und Mann) zur Welt und wird es nicht erst, z.B. durch Erziehung, Umwelt u.a.! Hierauf wies noch jüngst sogar das Magazin Der Spiegel (Nr. 39/2008, S. 52-66) in einem ausführlichen Leitartikel hin, an den sich ein umfangreiches Interview mit der kanadischen Entwicklungspsychologin Susan Pinker anschloss, die vor kurzem ein einschlägiges Buch in Deutschland hat erscheinen lassen: Das Geschlechterparadox: Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen. Einen gewissen Höhepunkt des Artikels bildeten folgende, in Spiegel-eigener Süffisance geschriebene Sätze: „Selbst Grüne Meerkatzen – nicht gerade verdächtig, kulturell bedingten Rollenmustern zu folgen – gehorchen den Klischees so brav wie Menschenkinder: Vor die Wahl gestellt, hantieren im Tierversuch die Weibchen lieber mit Stoffpuppen, während die Männchen mehr Zeit mit Lastern und Bällen verbrachten.“ (ebenda, S. 58) Verschiedene weitere Aspekte kann man dem Bändchen Mann und Frau in der Schöpfungsordnung Gottes (Müstair/Schweiz 1999) entnehmen, in dem ich die Vorträge über das Wesen der Geschlechter herausgegeben habe, die auf der von meiner Frau und mir organisierten Winterakademie 1998 in Bonn gehalten worden waren.

Vielfältig unterscheiden sich also Mann und Frau, und es gilt heute mehr denn je, gerade die wertvollen geschlechtspezifischen Eigenschaften der Frau wieder oder neu zu entdecken und sie – mit freier Zustimmung der Betroffenen – für Familie, Gesellschaft und Kirche nutzbar zu machen. Übrigens sah in dieser Hinsicht schon in der Antike der (in einigen Aspekten seiner Geschlechterlehre nicht ganz zu Unrecht) heute vielgescholtene Aristoteles die Dinge in gewisser Weise klarer als sein Lehrer Platon. Dieser maß zum einen den natürlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern nicht im gebotenen Maße Bedeutung bei und wollte auf der anderen Seite die Aufgaben der Frau eher am Ideal männlicher Eigenschaften, also z.B. der körperlichen Stärke und der kriegerischen Tapferkeit, ausgerichtet sehen. Aristoteles hingegen betonte die Komplementarität in der Verschiedenheit, die Geschlechter sollen sich in mancher Hinsicht gegenseitig ergänzen. Zur Thematik des Wesens von Mann und Frau findet man reichlich Material aus dem Altertum (und hier und da auch aus modernen Diskussionen) bei Sabine Föllinger, Differenz und Gleichheit. Das Geschlechterverhältnis in der Sicht griechischer Philosophen des 4. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. (Hermes-Einzelschrift Nr. 74/1996).

Leider regt sich gegen jene verheerende Ideologie noch viel zu wenig Widerstand, obgleich sie, konsequent in die Praxis umgesetzt, die gesamte Gesellschaft auf den Kopf stellen und jede natürliche Ordnung zerstören würde. Eines der engagiertesten Bücher aus katholischer Perspektive hat Gabriele Kuby verfasst: Die Gender Revolution – Relativismus in Aktion, Kisslegg 2006. Wichtige Informationen aus konservativ-protestantischer Sicht bietet das Themenheft Schöpfungsordnung und Gender-Ideologie der Reihe Diakrisis (Nr. 29, 2/2008). Einen wertvollen kurzen Überblick über die ganzen Verrücktheiten, die mit der Gender-Ideologie verbunden sind, gewinnt man durch den Aufsatz Löscht sie aus… die Familie – Gender Mainstreaming – die totalitäre Ideologie, den Inge M. Thürkauf, die Witwe des leider so früh verstorbenen katholischen Physikprofessors Max Thürkauf, in der empfehlenswerten neuen Zeitschrift Civitas (Nr. 4/2008, S. 61-79) veröffentlicht hat. Dort erfährt man z.B., dass in einzelnen Ländern bereits Bestrebungen in die Praxis umgesetzt worden sind, den Unterschied zwischen Damen- und Herrentoiletten zugunsten einheitlicher Bedürfnisanstalten aufzuheben!

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3 Antworten zu “„Geschlechterklischees“ und die Würde der Frau”

  1. N. Holzmer sagte

    Warum so hart, warum so wenig bereit sich auf etwas einzulassen, was dem Lebensglück vieler so viel mehr entspricht.Natürlich unterscheiden sich Männer von Frauen, aber so wie Männer mit verschiedenen Talenten und Geistesgaben ausgestattet sind gilt dies auch für Frauen. Es gibt nicht die Frauen als homogene Gruppe, warum solten ihnen die vielfältigen Möglichkeiten einer Lebensgestaltung, wie sie Männern in der Berufswahl ermöglicht ist, verwehrt bleiben. Viele Frauen leiden an dem reduziert sein auf die Mutterrolle(genauso wie am Zwang“dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zu müssen“), auch wenn sie gerne Kinder haben, viele Männer leiden an dem mangelnden Kontakt zu ihren Kindern und am reduziert sein auf die Ernährerrolle.Gäbe es nur die traditionelle Lebensmöglichkeit hätte ich weder mehrere Kinder, noch würde ich eine so glückliche Ehe führen wie ich es tue. Als Hausfrau wäre ich sehr unglücklich und mein Mann wäre mit dieser Rollenverteilung in seiner Auffassung von Vatersein erheblich beschnitten. Da wir beide reduziert arbeiten, werden unsere Kinder innerhalb unserer Familie betreut, die Haushaltsführung obliegt uns beiden(mehr oder weniger)gleichermaßen. Ich bin sehr froh das sich die alten Rollenbilder, die so viel Leid!!! (man frage mal die Oma in einer stillen Stunde…) mit sich gebracht haben, aufzulösen beginnen. Dies bedeutet nicht das Ende der Familie, sondern eine Möglichkeit für eine ehrlichere, glücklichere Familie, die nicht auf der Selbstverleugnung ihrer Mitglieder beruht. Nicht die auflösenden Rollenbilder sind die Feinde der Familie, sondern der zunehmende Druck auf Arbeitnehmer, möglichst flexibel zu sein und sich einem inhumanen Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen(Das gilt für beide Geschlechter, die Frauen sind hier im Begriff einen großen Fehler zu machen). Ich hoffe das sich eine gewisse Abkehr vom immer mehr haben wollen und ein zuwenden zum familiären Glück, was für mich das Größte in dieser Welt ist,mit fairer Beteiligung beider einstellt. Männer sind in gleichem Maße zu „Mütterlichkeit“, also hingebungsvoller Liebe fähig, man darf ihnen nur nicht ständig erzählen das dies „unmännlich sei. Es bedarf neben einer Flexibilisierung des Frauenbildes ein menschlicheres Männerbild, nicht für die Frauen sondern für den Mann selbst.

  2. A. Wagner sagte

    Ich kann Fr. Holzmer nur zustimmen. Meine Eltern beispielsweise lebten schon anfang der 70er eine recht emanzipierte Ehe, nur das meiner Mutter nicht auf Demos ging und für Abtreibung eintrat, sie verabscheut dergleichen. Mein Vater arbeitete den ganzen Tag, meine Mutter als Teilzeit-Nachtschwester, wenn meine Mutter Nachtwache hatte „hütete“ mein Vater meine Schwester und mich, er machte uns morgens das Frühstück und die Schulbrote. Wenn die Nachtwache über das Wochenende ging, kochte er für uns (übrigens kocht er phantastisch). Ist er deswegen unmännlich? Ich finde NEIN. Das heißt aber nicht das er den kompletten Haushalt gemacht hätte, es gab durchaus Dinge die nur meine Mutter machte und Dinge die nur mein Vater erledigte. Es war einfach so, das sie sich gegenseitig ergänzten. Außerdem wohnten wir bei unserer Oma im Haus, so daß wir nie außer Haus gehen mußten, wenn Mama noch schlafen mußte. Daß für viele Tradionalisten das nicht nachvollziehen ist, das sich meine Eltern nicht auf geschlechtsspezifische Tätigkeiten beschränkt haben ist meiner Ansicht nach deren Problem.
    Sie sollen uns unser Lebensglück so gestalten lassen, das Familien
    gut zusammenleben können und nicht versuchen uns ein schlechtes Gewissen einzureden. Es geht mir hier aber nicht um Karrierestreben, heutzutage müssen die Mamas auch rein in die Arbeitswelt, weil es sonst finanziell extrem schwierig wird.In meiner Firma sind viele Mütter, für die oft einzelne Arbeitszeitmodelle geschaffen wurde, damit die Kinder unter einen Hut zu bringen sind. Es gibt also durchaus auch Arbeitgeber die an die Familien denken.

  3. Thomas sagte

    Ist die Sache mittlerweile eigentlich schon weitergegangen? Über Google finde ich nur Artikel aus dem September 2008, als der Ausschuß das beschlossen hat. Aber verbindlich dürfte das doch noch nicht sein, oder?

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