Ostergedanken
April 12, 2008 von dergeradeweg
Aus zwei Gründen ist Ostern das wichtigste, grundlegendste und fundamentalste Fest der Christenheit. Zum einen, weil Ostern Antwort auf die wichtigste Frage des Menschen gibt: die Frage nach dem Tod. Zum anderen, weil es ohne Ostern die Christenheit überhaupt nicht gäbe. Lassen Sie mich diese beiden Aspekte ein wenig erläutern.
Ostern gibt Antwort auf die wichtigste Frage, die Frage nach dem Tod. Der Tod ist das Grundproblem jedes Menschen. Denn der Tod kommt todsicher auf jeden zu. Incerta omnia, sola mors certa, sagt der heilige Augustinus – „im Leben ist alles unsicher, nur eines ist sicher: der Tod.“ Und der Tod ist nicht nur sicher, sondern auch allgegenwärtig. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, heißt es in einem alten liturgischen Gesang. Mitten im Leben sterben wir immer wieder einen Tod. Immer dann nämlich, wenn Leben zu Ende geht, wenn wir Lebensmöglichkeiten verlieren, zum Beispiel durch Krankheit, durch Alter oder durch den Verlust anderer Menschen. Sterbliche sind wir, dem Tod ausgeliefert, in unseren Lebensmöglichkeiten begrenzt. Die Frage des Todes ist das größte Problem des Menschen.
Und nun sagt uns das Osterfest: Es gibt eine Antwort auf die Frage nach dem Tod. Und diese Antwort ist Jesus Christus, der Auferstandene. Christus ist für uns gestorben. Er hat unseren Tod auf sich genommen, um den Tod zu besiegen. Sein Leben, seine Liebe, seine Person hat sich als stärker erwiesen als der Tod. Das bedeutet für uns: Der Tod ist nicht das Ende. Auferstehung vom Tod ist möglich. Neues Leben, Leben in Fülle ist möglich. Ist möglich für alle, die zu Christus, dem Auferstandenen, gehören und ihm vertrauen.
Eine wichtigere Botschaft gibt es nicht, darum ist das Fest der Auferstehung das wichtigste Fest des Glaubens. Und es ist – und jetzt kommen wir zum zweiten Aspekt – der Ursprung und die Grundlage der Kirche. Ohne die Auferstehung Jesu wäre das, was nach Ostern begonnen hat, nicht möglich gewesen und nicht erklärbar.
Schauen wir doch nur zwei Tage zurück und erinnern uns an den Karfreitag. Da war die verschwindend kleine Schar der Jünger Jesu. Am Abend zuvor, als Jesus verraten und verhaftet wurde, verließen ihn alle und flohen. Petrus spielte eine besonders unrühmliche Rolle: Aus Angst vor den Menschen wollte er plötzlich mit seinem Herrn und Meister nichts mehr zu tun haben. Jesus wird schließlich als Schwerverbrecher und Gotteslästerer hingerichtet und begraben.
Doch wenn dies das Ende gewesen wäre: Wie hätte da das Christentum entstehen sollen? Wie hätte es zu jener Bewegung kommen sollen, die bald den ganzen Erdkreis erfasste und alle heidnischen Religionen verdrängte? Warum hätten die Apostel, die ängstlichen und kleingläubigen, plötzlich Anlass haben sollen, für den Glauben an Christus freudig in den Tod zu gehen? – Schauen wir uns nur die erstaunliche Veränderung des Petrus an: Er, der es in der Ölbergnacht nicht wagte, sich zu Jesus zu bekennen, steht jetzt auf dem Marktplatz von Jerusalem und predigt in aller Öffentlichkeit sein Bekenntnis zu Christus dem Gekreuzigten.
Woher dieser Umschwung? Es gibt nur eine vernünftige Erklärung: Der Tod und das Grab Jesu können nicht das Letzte gewesen sein. Da muss sich noch weit mehr ereignet haben, etwas Großes, etwas Gewaltiges; ein umwälzendes Ereignis. Die Naturwissenschaft führt die Entstehung des Kosmos auf den sogenannten „Urknall“ zurück, eine unvorstellbar starke Energieexplosion, welche die Evolution in Gang gesetzt habe. Die Auferstehung Jesu ist etwas Ähnliches: der Urknall der Neuschöpfung, die Eröffnung einer ungeheueren Dynamik, die unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegenstrebt.
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