Artikel zur Jahreslosung 2008
1. Idee
Die Jahreslosung der KJB lautet dieses Jahr: „Age, quod agis“ – „Was du tust, tue es ganz“.
Zusammen mit der KJB-Schweiz haben wir uns für 2008 vorgenommen, das, was wir tun, ganz zu tun.
2. „Was du tust“ – „quod agis“
Jeder von uns ist den lieben langen Tag damit beschäftigt etwas zu tun, jeden Augenblick, sei es, dass wir denken, reden, arbeiten usw. Dabei ist manches wichtig und manches unwichtig.
Leider ist unsere Einschätzung, was im Leben wichtig bzw. unwichtig ist, subjektiv und geht oft am Ziel, dem ewigen Heil vorbei. Hier regt uns die Jahreslosung an, klare Vorstellungen vom Ziel des Menschen und den Mitteln zu entwickeln, dieses Ziel zu erreichen, zu haben bzw. uns anzueignen. Klare Vorstellungen und persönliche Überzeugungen von der katholischen Lehre über das Gesellschaftsleben, Wirtschaft, Politik, Freundschaft, Familie, Erziehung. Diese Themen verdienen es alle einzeln eingehend behandelt zu werden. Doch dazu ist hier nicht der Platz. Was für sie aber alle gilt, steht im 1. Kor. 3,11: „Einen anderen Grund kann niemand legen, als der gelegt ist, Christus Jesus“. Wenn Christus nicht das Fundament und der Schlussstein ist, stürzt das Gebäude frührer oder später zusammen. Zum Beispiel gibt es für die Gesellschaft nur ein Mittel, sich aus der schweren Krise zu retten: Sie muss wieder katholisch werden. Prälat Mäder schrieb einmal: „Es gibt kein Heil für die Gesellschaft, wenn nicht der katholische Geist, der alleinige Lebensgeist, alles wieder belebt, das Volk, die Schule, die Regierungen, die Verfassungen, die Gesetze“. Wer das Ziel und die Mittel kennt ist glücklich zu schätzen. Die diesjährige Losung soll uns helfen, immer besser kennenzulernen, was zu tun ist.
3. „tue es ganz“ – „age“
Der nächste Schritt ist das als richtig Erkannte zu tun, aber nicht irgendwie, sondern ganz, mit all unseren Seelenkräften.
Unser Motto ist eine Kampfansage an die Lauheit und Halbherzigkeit in uns. Diesem seit dem Sündenfall existierenden Übel, wollen wir dieses Jahr zu Leibe rücken.
Der greise Johannes schrieb auf Patmos vor ca. 2000 Jahren an den Engel der Gemeinde von Laodizea: „So spricht, der das Amen ist … Du bist weder kalt noch warm. Wärest du doch kalt oder warm! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, so will ich dich aus meinem Mund ausspeien“ (Apk 3,15f). Der Heiland beklagt hier Lauheit. Er wünscht sich das „tue es ganz“. Die hl. Theresia von Lisieux formulierte es einmal so: „Es ist nicht so wichtig, was wir tun (die Sünde natürlich ausgenommen), sondern wie wir es tun“!
Bei unseren Tätigkeiten lassen wir uns oft von der Unlust leiten. Was uns wichtig erscheint und persönlich interessiert, verrichten wir mit Elan und hoher Konzentration, was uns unwichtig erscheint oder anödet, dagegen unordentlich und unreflektiert. Das ist nicht recht! Auch die kleinen Dinge sollten wir „ganz“ tun, mit unserer vollen Aufmerksamkeit.
Haben wir im ersten Schritt durch die Lehre der Kirche die Sicht Gottes der Dinge angenommen, gilt es im zweiten Schritt, diese ganz zu tun, bzw. wenn es sich um Lehren handelt, ganz hinter ihnen zu stehen, selbst, wenn der Zeitgeist diese belächelt.
Anhand des natürlichen und des übernatürlichen Bereichs wollen wir nun in Stichpunkten sehen, wie das „tue es ganz“ konkret aussehen kann.
a) Natürlicher Bereich
Es „ganz“ zu tun beginnt schon am Morgen, wenn der Wecker uns stört. Gleich aufstehen ohne Diskussion. Es setzt sich fort, wenn wir in der Schule, an der Uni, am Ausbildungsplatz, in der Werkstatt, im Büro unser Bestes geben. Gott hat uns bestimmte Talente gegeben. Diese sollen uns helfen, unsere Standespflichten gut zu erfüllen, sie ganz zu tun. Auch die kleinen, unscheinbaren Dinge gewissenhaft zu erfüllen.
1) Tagesplan: – genau einhalten
2) Standespflichten: – riesiges Arbeitsfeld; das Beste geben
3) Mitmenschen: – Umgang soll vornehm, freundlich, höflich, liebevoll sein
b) Übernatürlicher Bereich
Besonders für diesen Bereich gilt das „tue es ganz“. Es wäre schade, wenn wir durch unsere Lauheit und freiwillige Zerstreuung der Gnadengeschenke, die Gott für den Beter bereithält, verlustig gehen.
1) Gebet
- tägliche Gebete: Das Sprechen mit unserem Vater im Himmel soll aufmerksam, andächtig und würdig sein. Es darf nicht unter Zeitdruck geschehen.
- hl. Messe: Vorbereitung:
entferntere: Buch von Pater Gaudron („Die Messe aller Zeiten“) lesen.
nähere:
a) von zuhause rechtzeitig weggehen, -fahren,
b) unterwegs den Rosenkranz beten oder Kreuzweg betrachten,
c) 15 min. früher da sein, um sich auf das große Wunder einzustimmen,
d) Schott benutzen oder das Leiden Christi betrachten.
- Rosenkranz: Für wen will ich ihn aufopfern? Um welche Gnade bitte ich? Geheimnisse betrachten, Ablenkungen bekämpfen.
- Betrachtung: aufmerksam, gegen Zerstreuungen ankämpfen, Akte des Glaubens, der Liebe und der Hoffung erwecken.
- KJB-Gebete: täglich aufmerksam verrichten.
2) Sakramente
Die hl. Beichte und die hl. Kommunion sind wohl die Sakramente, die wir am häufigsten empfangen.
- hl. Beichte: wenigstens monatlich.
Vorbereitung: Gewissenserforschung.
Aktueller Empfang: Reue erwecken!
Danksagung: Gott danken, den Vorsatz erneuern, um die Gnade der Beharrlichkeit bitten
- hl. Kommunion: wenn möglich bei jedem Messopfer
Vorbereitung: Gebete vor der hl. Kommunion aus dem Schott bzw. einem anderem Gebetbuch und Akte der Sehnsucht nach dem Heiland erwecken.
Aktueller Empfang: bewusst sein, dass nun der allmächtige Gott zu mir kommt.
Danksagung: Gebete nach der hl. Kommunion aus dem Schott bzw. einem anderem Gebetbuch und Akte des Dankes.
c) Ein ganzer KJB´ler
„Tue es ganz“ gilt des Weiteren für unser KJB-Programm, die Gruppenstunde. Auch hier sollen wir ganz dabei sein, ohne zögern und Vorbehalte.
d) Übung macht den Meister – die Tugenden
Aus eigener Kraft das Gute ganz zu tun, ist uns nicht möglich. Wir benötigen Hilfen. Zum Glück gibt es diese: Der Hl. Geist (für die rechte Erkenntnis) und die Gnade Gottes (um es ganz zu tun). Doch wir können und müssen mitarbeiten. Das geschieht durch die Tugend, wenn wir nämlich „etwas Gutes durch fortwährende Übung leicht, freudig und sicher tun“.
Um die Tugenden kennenzulernen sollen sie dieses Jahr in den Gruppenstunden behandelt werden. Es sind dies die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit (mit den Untertugenden Religion und Gehorsam), Starkmut und Mäßigkeit (mit den Untertugenden Keuschheit und Demut).
In der Theologie werden die Tugenden gerne mit den Rudern eines Bootes verglichen. Will man vorankommen, muss man die Ruder ergreifen und sich in die Riemen legen. Im Gegensatz zu den Gaben des Hl. Geistes, die mit einem Segel verglichen werden, ist die Tugendübung anstrengend. Hier kommt das Sprichwort „Ohne Fleiß, kein Preis“ zum Tragen. Wer nicht aufgibt, wird es zur Meisterschaft bringen.
4. Schluss
„Was Du tust, tue es ganz“ soll uns helfen, bewusster zu handeln, zu leben und mit Hilfe der Tugenden besser zu werden. Zu diesem hehren Motto ist die Zukunft des Landes, die Jugend, aufgerufen. Ich wünsche Euch dazu viel Mut und viel Erfolg!
Pater Georg Kopf, Fechingen, den 29. 01.2008